“Szenografie” – “Scenography”

Was ist “Szenografie”? Der in den romanischen Ländern eher geläufige Ausdruck “Szenografie” hat sich in den letzten Jahren auch im deutschen Sprachraum mehr und mehr durchsetzen können. Zwar sind es immer noch die Tätigkeiten von Bühnenbildnern, Theaterarchitekten, Production- oder Setdesignern, Ausstellungsmachern oder Museumsgestaltern, die gemeint sind, wenn man von “szenografischer Gestaltung” spricht. – Wobei Szenografen hier als Dramaturgen, Choreografen, Regisseure, kreative Projektmanager fungieren. – Doch heißt “szenografisch” zu arbeiten und zu denken auch, dass Ausstellungsmacher Musiktheater inszenieren, Choreographen Sportevents, Kommunikationsdesigner Expo-Pavillons, Bühnendramaturgen den Christopher Street Day. Wahlweise und ohne feste disziplinäre Zuschreibung, aber in der festen Überzeugung, dass zwischen unterschiedlich eingesetzten szenografischen Einzelkompetenzen insgesamt enge Verwandtschaftsverhältnisse bestehen.

Wo sich klassischerweise ein ganzer Strauss eigenständiger Professionen darbot, sehen wir heute ein praktisches Zusammenwachsen szenografischer Künste. Sie allesamt sind Disziplinen überschreitende Künste temporärer Raumgestaltung. Ihre performativen Auftritte lassen Zuschauer oder Besucher nicht draußen vor, sondern beziehen sie als “Akteure” mit ein.
Disziplinen überschreitend sind nicht nur die Ambitionen der Künstler und Gestalter, die sich um die Gemeinsamkeiten inszenatorischer Praktiken kümmern und sich zu entsprechenden Projekten zusammenfinden, sondern ebenfalls die praktischen und theoretischen Gestaltungsdisziplinen, die sich in der akademischen Ausbildung mit “Szenografie” beschäftigen. Ganz konsequent verfolgen auch sie die Strategie einer kooperativen Projektpraxis als Basis szenografischer Kompetenzaneignung. Auf welchem konkreten Gebiet szenografischer Gestaltung auch immer: Bühne, Theater, Ausstellung, Museum, Medien, Kommunikation, Unterhaltung…
Zum szenografischen Training gehört, auf ästhetisch methodische und methodologische Aspekte der konkreten Aufgabe zu achten, gehört, die Fragen der Raumkonstellation, der Dramaturgie, der theatralen Steuerung des szenischen Geschehens, des medialen und medientechnischen Ausdrucks und seiner Fabrikation zu bedenken. (Vgl. “Wissenschaften und Design“) Die “Inhalte”, Gesichtspunkte der spezifischen Narration, müssen mit diesen aufführungsspezifischen, “formalen” Aspekten und Entscheidungen vermittelt werden. Insofern heißt als “Szenograf” zu arbeiten und zu denken, performativ, raum- und ereignisorientiert zu gestalten und zugleich der kreativen Idee verpflichtet.

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “”Scenographers´ Symposium” bemühen wir uns, alle zwei Jahre ein interdisziplinäres Gespräch zu Themen der Inszenierung und die sie leitenden Szenografien zu ermöglichen. Dies steht zwar im Zusammenhang unserer Masterausbildung “Szenografie und Kommunikation” in Dortmund, beschränkt sich aber keinesfalls auf Themen von Kunst, Gestaltung und Design. Das erste Symposium, Zum Kontext von Inszenierung und Ereignis, stand unter der Überschrift “Theatralität, Intermedialität, Erweiterter Raum” und fand im Jahr 2007 statt. Das zweite widmete sich im Dezember 2009 dem Thema “Inszenierung von Vertrauen”. (Über die weiteren Symposien gibt der entsprechende Menupunkt Auskunft.)
Der Veranstaltungsreigen im Biennaletakt versteht sich als Ergänzung und Kontrapunkt zum Baseler “Scenographers´Festival”, das – ebenfalls alle zwei Jahre – den Stand der szenografischen Projekttätigkeit präsentiert, mit Blick auf die professionelle Praxis ebenso wie auf die des Nachwuchses an den europäischen Kunst- und Gestaltungshochschulen.

Heiner Wilharm 2009